Weihnachtskrimis

Alle Jahre wieder… Es wird früher dunkel, die Wohnungen werden geschmückt und bei dem einen oder anderen macht sich eine Scroogesche Stimmung breit. Wenn nicht schon mindestens dreimal „Last Christmas“ gelaufen ist, ist die Vorweihnachtszeit nicht perfekt. Für mich gilt das eher nicht. Was für mich allerdings neben „Eine Weihnachtsgeschichte“ inzwischen zur Vorweihnachtszeit gehört, ist ein guter Weihnachtskrimi.
In den letzten Jahren habe ich mir daher mehrere Weihnachtskrimis gekauft und welche mich nie enttäuscht haben, waren die Krimis aus dem Klett Cotta Verlag. Diese greifen für ihre Weihnachtskrimis Schriftsteller aus der „guten alten Zeit“ heraus und mit einer ansprechenden Cover werden die verschiedenen Autoren zu einer optischen Einheit gebracht. Auch inhaltlich ähneln sich die Geschichten ein wenig. Gerne spielen die Bücher an Weihnachten (aus unlauteren Quellen heißt es, dass es selten so viele Streitereien gibt, wie an den Weihnachtstagen), es handelt sich um ein „Locked room mystery“ und die Schriftsteller schaffen es, mit ihren Heringen die Leser immer wieder auf falsche Fährten zu locken.
Nachdem ich „Geheimnis in weiß“ und „Geheimnis in rot“ schon in den letzten beiden Jahren gelesen habe, widme ich dieses Jahr „Das Geheimnis des Schneemanns“ meine Aufmerksamkeit. Ich bin schon sehr gespannt, ob mir auch dieses Buch wieder so gut gefällt wie die beiden anderen zuvor. Vielleicht gibt es demnächst auch noch ein Rezension dazu, haltet die Augen also offen.

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Patrick Hertweck „Der letzte Rabe des Empire“

Als mich meine geschätzte Blog-Partnerin Sarah auf das Buch aufmerksam machte, war ich zunächst wenig angetan. „Noch eine Jack-the-Ripper-Variante?“ Als ob Londons berühmter Serienmörder nicht schon oft genug von Inspektor Abberline (in Buchform oder in filmischer Adaption von Michael Caine, Johnny Depp oder Clive Russell), Sherlock Holmes (in Buchform oder in der Darstellung von John Neville oder Christopher Plummer) und zahlreichen anderen Detektiven gejagt worden wäre. Der Klappentext und der Umstand, dass es sich bei „Der letzte Rabe des Empire“ um einen Abenteuerroman für Jugendliche handelt, weckte dagegen dann doch meine Neugier.

Vorweg genommen, braucht man für Patrick Hertwecks Roman zunächst Durchhaltevermögen, denn der Autor erzählt nicht nur die Geschichte des Waisenjungen Melvin und die Ermittlungsarbeiten von Inspektor Abberline, sondern spannt parallel Erzählfäden mit über einem Dutzend Charaktere. („Game of Thrones“ und andere Streaming-Epen lassen grüßen). Während mir Melvin von Anfang an sehr sympathisch war und die Neugierde wuchs, welche Rolle er wohl in Bezug auf den Ripper spielt, blieb mir der Sinn und Zweck der anderen Handlungsfäden zunächst verschlossen. Ist das erste Drittel jedoch überstanden und das Bild klarer, begeistert der Roman nicht nur durch interessante Charaktere, sondern vor allem durch die eigenwillige Vermengung historischer Begebenheiten – was wohl Jean d’arc mit dem Ripper zu schaffen hat? – und Fantasy.

Ja, richtig gelesen: Fantasy. An dieser Stelle sei dem Verlag vorgeworfen, dass mit der Beschreibung „Historischer Abenteuerroman“ das Buch nicht gerade treffend beworben wird. „Historischer Fantasyroman“ trifft es schon eher, da auch die Krimi-Elemente sich im Wesentlichen auf das Vorhandensein von Inspektor Abberline beschränken, während der Roman ansonsten mehr den Fokus auf das Fantastische legt.

Hertwecks Sprache ist, auch einem jugendlichen Zielpublikum entsprechend, schlicht und elegant. Ein bemerkenswertes Stilmittel ist allerdings die Kapitellänge und das Erzähltempo. Während die einzelnen Kapitel zu Beginn recht lang sind und es eher gemächlich zugeht, steigert sich parallel zur Spannungskurve das Erzähltempo, wie im gleichen Maße die Kapitel kürzer werden. So kurz, dass während des „Showdowns“ stets nach wenigen Absätzen zwischen den einzelnen Erzählsträngen hin- und hergesprungen wird. Das literarische Äquivalent zu einem schnell geschnittenen Hollywood-Blockbuster.

Fazit: Patrick Hertweck hat mit „Der letzte Rabe des Empire“ ein spannendes, fantasievolles und im besten Sinne ungewöhnliches Jugendbuch geschaffen, dass allen Urban-Fantasy-Leser:innen ab 12 Jahren gefallen wird. (Na, Gott sei Dank, sind wir auf ‚Sherlocks Leseblog‘ keine fantasielosen Krimi-Puristen ;))

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Patrick Hertweck „Der letzte Rabe des Empire“

London, 1888.
Durch die Straßen von Whitechapel dringt das Krächzten eines Raben, als Jack the Ripper sich über ein weiteres Opfer hermacht…
Halt, stop. Nicht wegklicken.
Ich weiß, über Jack the Ripper hat man schon viel gelesen, aber…
Was wäre, wenn es in einen Buch darum ginge, dass Jack the Ripper nur eine Nebenfigur wäre.
Eine Nebenfigur in einer ganz anderen, viel größeren Geschichte?
Glaubt ihr nicht?
Melvin, ein heranwachsender Junge von den Straßen Londons, ist in der Nähe, als Jack the Ripper zuschlägt und wird doch von ihm verschont. Sollte er es wirklich nur auf Frauen abgesehen haben? Auch wenn Melvin alle Frauen kannte? Melvin und auch sein Freund Wilkie meinen ein Muster in den Morden entdeckt zu haben, als Melvin urplötzlich verschwindet. Sollte der Ripper ihn nun doch geholt haben?
„Der letzte Rabe des Empire“ erzählt auf 473 Seiten eine etwas andere Geschichte über Jack the Ripper, als sie uns aus den Geschichtsbüchern bekannt ist.
Das Buch richtet sich dabei an jüngere Erwachsene, was einem erwachsenen Leser beim Aufbau der Handlung auffällt. Denn auch wenn das Buch nicht in das Genre Thriller fällt, überwiegt in dem Buch durch die kurzen und schnellen Szenenwechsel das spannende Element. Denn nicht nur die Geschichte von Melvin, Wilkie und Jack the Ripper wird erzählt. Es geht auch um Vincent Berengar, Samuel Seymour, Inspector Abberline, Joseph und sein Meister. Viele Handlungsstränge, viele Geschichten und Schicksale werden vor dem Leser ausgebreitet und man kann oftmals das alte, dreckige London zwischen den Zeilen riechen. Ob unten an den Docks, im Unterschlupf von Vincent, in der alten Kirche, in Whitechapel oder oder oder… Jeder Platz führt uns tiefer in das viktorianische London und auch in die Tiefen der Vorstellungskraft, denn was wenn es nicht nur Menschen in London gäbe, sondern auch andere Wesen?
Das Buch erzählt die Ereignisse innerhalb von sieben Tagen, sodass man als Leser an der Dynamik der Ereignisse unmittelbar beteiligt ist und mit den einzelnen Charakteren nach Gerechtigkeit fiebert und mit ihnen leidet. Ein Buch, das ein anderes Licht auf das London jener Zeit wirft, so fantastisch es auch sein mag.

4 von 5 Raben

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Andrew Wilson „Agathas Alibi“

Der Dezember 1926 ist keine gute Zeit für Agatha Christie. Der Tod ihrer Mutter belastet sie noch immer, ihr Mann hat ein Affäre und eine heftige Schreibblockade scheint den Höhenflug, der mit ihrem Roman „Alibi“ begann, schnell wieder zu beenden.
In dieser schweren Zeit macht sie Bekanntschaft mit dem mysteriösen Psychiater Dr. Patrick Kurs. Dieser erpresst sie nicht nur damit, kompromittierendes Material über die Affäre ihres Mannes an die Zeitungen zu geben, sondern deutet auch an, ihren Lieben – speziell Tochter Rosalind – gefährlich zu werden. Die Forderung von Kurs: Agatha soll einen Mord begehen …

Das mehrtägige Verschwinden von Agatha Christie, an das sich die Schriftstellerin nach eigener Aussage Zeit ihres Lebens nicht erinnern konnte, ist der große Mythos um die Queen of Crime. Andrew Wilson hat bemerkenswert sorgfältig recherchiert und erzählt in einem fast thrillerartigen, spannenden Kriminalroman, was in diesen Wintertagen im Jahre 1926 passiert sein könnte. Wilson trifft das Bild, das man von Agatha Christie gewinnen kann, sehr gut und spiegelt in seinem gut geschriebenen Roman die Krimi-Rezeptur der Autorin charmant. Und am Ende fragt man sich, ob es nicht exakt so gewesen sein könnte. Ein Wermutstropfen: Die letzte Wendung dürfte Christie-Kenner dann doch nicht überraschen. Dennoch: Klare Leseempfehlung.

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Andrew Wilson „Agathas Alibi“

11 Tage. Verschwunden. Selbst danach bleibt vieles im Dunkeln oder vielleicht auch nicht?
Selten ist das Lebens eines Autoren so spannend wie das von Agatha Christie. Es ranken sich zahlreiche Mythen um die Tage im Jahre 1926, als sie für 11 Tage verschwand.
Was war passiert?
Was war der Grund?
Mit viel Liebe zum Detail und unter Beachtung der bekannten Tatsachen, Mrs Christie selbst sprach nach den 11 Tagen nie mehr darüber, setzt Andrew Wilson das Puzzle Stück für Stück für den Leser zusammen, doch was ist Realität und was ist Fantasie? Denn eins muss man diesem Kriminalroman lassen, er verwischt die Grenzen zwischen Realität und Fantasie nur allzu gut.
Nach einem Streit mit ihrem Mann verschwindet die bekannte Schriftstellerin Agatha Christie für elf Tage von der Bildfläche. Liegt es am Tod ihrer Mutter, liegt es an der Affäre ihres Mannes oder ist der Druck, dass sie mit „Der blaue Express“ ins Stocken gerät? Oder ist es etwas ganz anderes? Etwa eine Erpressung durch eine schlichtweg notorische Person, die sich vermeintlich in einem von Mrs Christies Büchern wiedergefunden hat?
Andrew Wilson baut seinen Kriminalfall sehr systematisch und strukturiert auf. Er bezieht bekannte Elemente aus Christies Leben in sein Buch ein und erzeugt damit eine Stimmung, die schon fast an ein Sachbuch oder noch eher an eine Biographie erinnert.
Agatha Christie, selbst gebeutelt durch ihre Seele, rutscht dabei als Hauptfigur immer tiefer in die Verstrickungen, die ihr zum einen ihr Erpresser und zum anderen die damalige Zeit auferlegt.
Viele Personen aus Agatha Christies Leben spielen auch in diesem Buch eine Rolle und die zeitliche Geschehen tritt von Zeit zu Zeit ebenfalls in den Vordergrund.
Ein ungewöhnlicher Kriminalroman mit einer realen Person, die selbst Autorin war, im Scheinwerfer des Interesses lässt den Leser in bester Hercule Poirot Manier mitraten, denn zum Schluss ist es wie immer nicht so wie es schien.

4 von 5 Schriftstellern

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