Val McDermid „Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte“

Dieses Jahr ist so manches anders und somit wollte ich nicht die klassische Weihnachtsliteratur lesen. Friede, Freude, Eierkuchen unter dem Tannenbaum oder ein Mensch wird an Weihnachten bekehrt, sind beides keine Szenarien, die ich lesen wollte.
Weihnachtskrimis haben sich in den letzten Jahren vermehrt auf den weihnachtlichen Büchertischen eingereiht und ich war mehr als erfreut, als ich dieses Buch entdeckt habe.
Im Gegensatz zu den meisten Anthologien sind alle zwölf Kurzgeschichten von der Autorin Val McDermid.
Sie selbst entführt den Leser an die verschiedensten Krimischauplätze. Seien es ihre eigenen Charaktere um Tony Hill oder auch der berühmte Sherlock Holmes, in vielen ihrer Geschichten bettet sie das passende Zeitgeschehen ein, sodass es oft mehr als eine Krimikurzgeschichte ist.
Die Tatmotive wechseln sich dabei ab, sodass jede einzelne Kurzgeschichte nicht nur personell sondern auch inhaltlich auf eigenen Beinen steht.
Die Geschichten unterscheiden sich dabei in Länge und Tiefgang, sodass man sogar bei der einen oder anderen Geschichte schmunzeln muss.
Feine, kleine Hinweise oder auch mal sehr plakativ schafft es die Autorin beim Lesen immer wieder zu überraschen und trotzdem ein sehr hohes Spannungsniveau durch alle Geschichten zu halten.
Sicherlich hat man trotzdem seine Lieblingsgeschichte, aber das ist widerum eine ganz andere Geschichte.

5 von 5 Weihnachtsrätseln

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Jessica Müller „Tod im East End“

London, 1865.
Bereits zum dritten Mal begleitet man Charlotte und ihren Mann, Inspektor Basil Stockworth, durch das viktorianische London. In diesem Fall wurde der Lehrer einer Armenschule umgebracht und Basil hat seine liebe Mühe neben allen anderen Problemen den Mordfall zu lösen. Viele hilfreiche Charaktere, wie z.B. sein Sergeant Enoch Bennett, stehen ihm auch dieses Mal zur Seite, wenn der Fall verzwickter wird und manchmal auch nicht ganz legale Mittel zum Einsatz kommen müssen.
Doch wird der Lehrer das einzige Opfer bleiben?
Oder geht ein Killer im East End umher?
Es sei vorab gesagt, dass man die beiden vorigen Bände der Reihe gelesen haben sollte, bevor man mit „Tod im East End“ startet. Jessica Müller hat neben den beiden Hauptcharakteren einige wichtige Nebenfiguren, die in der Rahmenhandlung eine Entwicklung durchlaufen, was sich auch in der gesamten Geschichte niederschlägt.
Der dritte Teil reiht sich sprachlich in die Reihe seiner Vorgänger ein und das Setting wird passend zum Fall weiterausgebaut.
Neben den bereits bekannten Figuren werden einige neue Figuren in das bestehende Personalgeflecht verwoben und die Seilschaften zwischen den Figuren erreichen einen neuen Höhepunkt.
Die Lebensumstände der verschiedenen Gesellschaftsschichten stehen dieses Mal stärker im Fokus und die Autorin verknüpft dies mit historischen Informationen über die Zeit.
Gerade beim Lesen dieser Zeilen hat man oft das beklemmende Gefühl, als ob man einen Bericht von Charles Dickens liest, der zuerst über das Elend der Armen schrieb.
Der Kriminalroman verlagert seinen Fokus mehr in die Richtung der Gesellschaftskritik als es die beiden vorigen Bände taten. Die Ermittlungen von Stockworth treten für mehrere Nebenschauplätze des Öfteren in den Hintergrund, was beim Lesen eine Abwechslung reinbringt, mich allerdings ein bißchen gestört hat.
Der Fall ist in sich schlüssig, doch hätte ich mir hier mehr von dem Fall gewünscht und weniger von den Nebenhandlungen.

3,5 von 5 Sitzbänken

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Sylvain Cordurié „Sherlock Holmes & die Vampire von London“

Im Laufe seiner Pastiches hat sich Sherlock Holmes schon so manchem Gegner stellen müssen, nun ist die Zeit der Vampire.
Mai 1891: Sherlock Holmes kommt nach seinem Aufenthalt in der Schweiz in Frankreich an, wo er bemüht ist, die letzten Gespielen von Moriarty dingfest zu machen, als er eingeladen wird, sich mit dem Clanchef der Londoner Vampire, Selymes, zu treffen. Ein Machtkampf tobt innerhalb des Clans, bei dem auch das englische Königshaus nicht verschont bleibt. Die Queen ist wahrlich not amused
Eine wirkliche Wahl hat Holmes bei diesem Auftrag nicht, denn Selymes schreckt weder vor der Bedrohung von Watson und Mycroft noch vor der Betörung von Holmes selbst zurück. Denn nicht er ist das Biest sondern der Abtrünnige. Während Holmes um sein eigenes Leben bangt, muss er gleichzeitig alles tun, um Watson aus der Ferne zu beschützen und sich selbst gleichzeitig auf eine Seite stellen. Doch wen wählen, wenn man die Auswahl zwischen einem Vampir und einem Vampir hat?
Der Meisterdetektiv trifft auf den Blutsaugender der Mythologie. Ein Treffen der Giganten könnte man es auch nennen. Denn Holmes klarer Verstand trifft auf ein Wesen, welches eigentlich gar nicht sein darf. Doch weit gefehlt, denn der Einfluss der Vampire reicht in diesem Comic bis weit hinauf in das englische Königshaus und wird in gewisser Weise auch von ihm unterstützt. Ein alternatives London, wie viele es in der Literatur wohl geben mag, erhebt sich aus der Vielzahl der Sherlock Holmes Pastiches, um auch Leser von Vampirgeschichten für sich zu gewinnen. Denn während andere Gegner in Sherlock Holmes Geschichten oftmals nur einen kleineren Part in der Geschichte übernehmen, sind sowohl Text als auch Zeichnungen gerecht aufgeteilt. Sherlock Holmes muss sich seines enormen Gedankenpalastes bedienen, um mit den Vampiren mithalten zu können, ohne dabei sein Leben zu verlieren.
Der Comic ist hauptsächlich in den Nachtstunden angesiedelt, was die bedrückende Stimmung bildhaft unterstreicht und imposante Kampfszenen merklich hervorhebt.
Sowohl Leser von Sherlock Holmes Pastiches als auch Leser von Vampirromanen kommen hier mehr als auf ihre Kosten, wenn sie ihrem Geist dem Unmöglichen öffnen, denn wie können Wesen, die nicht existieren, uns so in den Bann ziehen?

5 von 5 Vampirzähnen

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Haike Hausdorf „Sherlock Holmes und der Gentlemen`s Club“

Vor dem Holmes ist nach dem Holmes oder so ähnlich.
Nachdem ich in den letzten Wochen so viele Sherlock Holmes Geschichten wie selten hintereinander gelesen habe, könnte man meinen, ich bräuchte eine Pause?!
Weit gefehlt, denn der doch zuweilen arrogante Detektiv ist für mich eine der liebsten Figuren, die die Buchwelt zu bieten hat. 
Daher freute es mich, als die Autorin mich um eine Rezension ihrer Novelle bat.
Nach den abendlichen Besuchen im Gentlemen`s Club finden sich einige betuchtere Gentlemen urplötzlich in dunklen Seitenstraßen wieder, nachdem sie zuvor dem Glückspiel gefrönt hatten. Sie sprechen von schauerlichen Figuren, Masken und zeitweilig sind sie auch längere Zeit außer Gefecht gesetzt. Doch das Wichtigste: Sie wurden alle ausgeraubt.
Sherlock Holmes wird vom Besitzer des Etablissements gebeten, sich umgehend dieses Falles anzunehmen, da seine Klientel sich ihrer Geldbörse nicht mehr sicher fühlt …
Was soll ich sagen, auf gut 70 Seiten läuft Sherlock Holmes zur Bestform auf. Viele der kleinen Dingen aus dem Sherlock Holmes Universum finden in dieser Novelle Anklang, ohne sie dabei zu überladen.
Das Setting ist gut gewählt, die Gegenspieler aus der Londoner Unterschicht so gewählt, dass der Leser sich in die Geschichte hineinversetzen kann, ohne dass es allzu vieler Worte und Erklärungen bedarf.
Bissig und nachsichtig zugleich gibt Holmes in dieser Folge einen Auftritt, den Arthur Conan Doyle zu seinen besten Zeiten nicht ausgefeilter hätte formulieren können.
Die Geschichte ist für alle, die den Kanon gelesen haben und die dadurch die vielen kleinen Andeutungen in dieser Neuinterpretation verstehen, ein wahres Lesevergnügen, das den Leser oft schmunzeln lässt.

5 von 5 Lupen

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Die Auswahl steht

The game is afoot.
Nach stundenlangem Lesen und Recherchieren haben wir es geschafft und eine Sammlung zusammengestellt, die eines Sherlock Holmes würdig ist. Ihr werdet ihn in den unterschiedlichsten Ermittlungen erleben, denn eins sei gesagt, keine Geschichte gleicht der anderen, sondern punkten durch Abwechslung und Einfallsreichtum. Also werft einen Blick auf die Autor:innen, die euch ihre Sherlock Holmes Geschichte in unserer Anthologie präsentieren werden. Besser kann das Wochenende doch nicht starten. 🕵🏼🕵🏻‍♂️

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