Sylvain Cordurié „Sherlock Holmes & die Vampire von London“

Im Laufe seiner Pastiches hat sich Sherlock Holmes schon so manchem Gegner stellen müssen, nun ist die Zeit der Vampire.
Mai 1891: Sherlock Holmes kommt nach seinem Aufenthalt in der Schweiz in Frankreich an, wo er bemüht ist, die letzten Gespielen von Moriarty dingfest zu machen, als er eingeladen wird, sich mit dem Clanchef der Londoner Vampire, Selymes, zu treffen. Ein Machtkampf tobt innerhalb des Clans, bei dem auch das englische Königshaus nicht verschont bleibt. Die Queen ist wahrlich not amused
Eine wirkliche Wahl hat Holmes bei diesem Auftrag nicht, denn Selymes schreckt weder vor der Bedrohung von Watson und Mycroft noch vor der Betörung von Holmes selbst zurück. Denn nicht er ist das Biest sondern der Abtrünnige. Während Holmes um sein eigenes Leben bangt, muss er gleichzeitig alles tun, um Watson aus der Ferne zu beschützen und sich selbst gleichzeitig auf eine Seite stellen. Doch wen wählen, wenn man die Auswahl zwischen einem Vampir und einem Vampir hat?
Der Meisterdetektiv trifft auf den Blutsaugender der Mythologie. Ein Treffen der Giganten könnte man es auch nennen. Denn Holmes klarer Verstand trifft auf ein Wesen, welches eigentlich gar nicht sein darf. Doch weit gefehlt, denn der Einfluss der Vampire reicht in diesem Comic bis weit hinauf in das englische Königshaus und wird in gewisser Weise auch von ihm unterstützt. Ein alternatives London, wie viele es in der Literatur wohl geben mag, erhebt sich aus der Vielzahl der Sherlock Holmes Pastiches, um auch Leser von Vampirgeschichten für sich zu gewinnen. Denn während andere Gegner in Sherlock Holmes Geschichten oftmals nur einen kleineren Part in der Geschichte übernehmen, sind sowohl Text als auch Zeichnungen gerecht aufgeteilt. Sherlock Holmes muss sich seines enormen Gedankenpalastes bedienen, um mit den Vampiren mithalten zu können, ohne dabei sein Leben zu verlieren.
Der Comic ist hauptsächlich in den Nachtstunden angesiedelt, was die bedrückende Stimmung bildhaft unterstreicht und imposante Kampfszenen merklich hervorhebt.
Sowohl Leser von Sherlock Holmes Pastiches als auch Leser von Vampirromanen kommen hier mehr als auf ihre Kosten, wenn sie ihrem Geist dem Unmöglichen öffnen, denn wie können Wesen, die nicht existieren, uns so in den Bann ziehen?

5 von 5 Vampirzähnen

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Haike Hausdorf „Sherlock Holmes und der Gentlemen`s Club“

Vor dem Holmes ist nach dem Holmes oder so ähnlich.
Nachdem ich in den letzten Wochen so viele Sherlock Holmes Geschichten wie selten hintereinander gelesen habe, könnte man meinen, ich bräuchte eine Pause?!
Weit gefehlt, denn der doch zuweilen arrogante Detektiv ist für mich eine der liebsten Figuren, die die Buchwelt zu bieten hat. 
Daher freute es mich, als die Autorin mich um eine Rezension ihrer Novelle bat.
Nach den abendlichen Besuchen im Gentlemen`s Club finden sich einige betuchtere Gentlemen urplötzlich in dunklen Seitenstraßen wieder, nachdem sie zuvor dem Glückspiel gefrönt hatten. Sie sprechen von schauerlichen Figuren, Masken und zeitweilig sind sie auch längere Zeit außer Gefecht gesetzt. Doch das Wichtigste: Sie wurden alle ausgeraubt.
Sherlock Holmes wird vom Besitzer des Etablissements gebeten, sich umgehend dieses Falles anzunehmen, da seine Klientel sich ihrer Geldbörse nicht mehr sicher fühlt …
Was soll ich sagen, auf gut 70 Seiten läuft Sherlock Holmes zur Bestform auf. Viele der kleinen Dingen aus dem Sherlock Holmes Universum finden in dieser Novelle Anklang, ohne sie dabei zu überladen.
Das Setting ist gut gewählt, die Gegenspieler aus der Londoner Unterschicht so gewählt, dass der Leser sich in die Geschichte hineinversetzen kann, ohne dass es allzu vieler Worte und Erklärungen bedarf.
Bissig und nachsichtig zugleich gibt Holmes in dieser Folge einen Auftritt, den Arthur Conan Doyle zu seinen besten Zeiten nicht ausgefeilter hätte formulieren können.
Die Geschichte ist für alle, die den Kanon gelesen haben und die dadurch die vielen kleinen Andeutungen in dieser Neuinterpretation verstehen, ein wahres Lesevergnügen, das den Leser oft schmunzeln lässt.

5 von 5 Lupen

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Die Auswahl steht

The game is afoot.
Nach stundenlangem Lesen und Recherchieren haben wir es geschafft und eine Sammlung zusammengestellt, die eines Sherlock Holmes würdig ist. Ihr werdet ihn in den unterschiedlichsten Ermittlungen erleben, denn eins sei gesagt, keine Geschichte gleicht der anderen, sondern punkten durch Abwechslung und Einfallsreichtum. Also werft einen Blick auf die Autor:innen, die euch ihre Sherlock Holmes Geschichte in unserer Anthologie präsentieren werden. Besser kann das Wochenende doch nicht starten. 🕵🏼🕵🏻‍♂️

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Verantwortung

Ist es nicht schön, ein neues Buch in Händen zu halten? Doch wie ist es für einen Herausgeber? Die Verantwortung zu entscheiden, welche Geschichten einen Leser unterhalten könnten, sich mit den Autor:innen auszutauschen und auch dem Kanon gerecht zu werden, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Während Chris dies schon mehrfach erfolgreich getan hat, ist es für mich das erste Mal. Ich sitze jetzt hier an den 87 Einsendungen zu unserer Sherlock Holmes Anthologie und bewerte das Werk anderer Autor:innen. Anhand eines Bewertungsbogen prüfe ich jede Geschichte auf Herz und Nieren, wohlwissend, dass sich jede/r Autor:in wünscht dabei zu sein.
Auch wenn ich schon immer Respekt vor der Arbeit der Buchbranche hatte, ist ein Blick hinter die Kulissen sehr lehrreich und zugleich erfrischend. Aber ich sollte nicht soviel schreiben und lieber weiter die eingereichten Geschichten lesen.
Bitte daher auch nicht wundern, wenn es mit anderen Rezis zur Zeit ein bißchen länger dauert, aber mehr darf über das Projekt einfach noch nicht verraten werden… Aber ganz bald berichte ich wieder. 🙂

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Jessica Müller „Tod in der Glaskugel“

„Ich sehe was, was du nicht siehst.“
Doch das Wesentliche sieht das Medium Madame Blanche nicht: ihren eigenen Tod.
Mitten auf dem Friedhof Highgate wird das stadtbekannte Medium gefunden. Eine natürliche Todesursache nahezu ausgeschlossen.
Doch wer wollte Madame Blanche etwas Böses, die Dame, die der Londoner Society über ihren Schmerz hinweghalf, da sie ein letztes Gespräch mit den Toten vermitteln konnte?
Doch bald schon ergeben sich Zweifel, wie Madame an ihre Informationen zu gelangen pflegte und die Schar der Verdächtigen wächst zunehmend an. Basil Stockworth hat somit kaum Zeit für seine Charlotte. So begibt Charlotte sich selbst in die Gesellschaft von Damen, mit denen sie zukünftig verkehren wird. Doch wird ihr diese Beschäftigung auf Dauer ausreichen?

Jessica Müllers zweiter Band, ebenfalls im Jahr 1865 ansiedelt, schließt nahezu an den ersten Band an, daher empfielt es sich, den ersten Band gelesen zu haben. Das Buch ist eine gelungene Mischung aus detektivischen Ermittlungen, Societyklatsch und realistischen Beschreibungen der Stadt London zu dieser Zeit. Viele Handlungsstränge und Personen aus dem ersten Band werden hier aufgegriffen und weitererzählt, sodass der Leser die Figuren immer besser kennenlernt.
Der Fall bietet mit seinen vielfältigen Verdächtigen einen garantieren Rätselspaß, da man als Leser, im Gegensatz zu anderen Büchern, beim konzentrierten Lesen selbst die Lösung des Falls ermitteln kann.
Ein gelungener Krimi, der die Atmosphäre der Zeit einfängt und zugleich einen Ausblick auf die folgende Entwicklung der Figuren gibt.

4 von 5 Glaskugeln

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