Grete Otto „Journal für moderne Frauenzimmer“

Wohl an, wohl an, nun heißt es sich zu benehmen, dem Ehegatten ein liebes Weib zu sein und sich zu kultivieren. Habt ihr euch schon mal vorgestellt, anstatt euch in fremde Welten oder auf Verbrecherjagd zu begeben, wie spannend die Realität war?
Oftmals ist es aber gar nicht so einfach, etwas über die jeweilige Zeit herauszufinden, da viele Dinge einfach nicht niedergeschrieben wurden, da sich nicht von Interesse schienen.So zum Beispiel das alltägliche Leben der Frau um 1900 und natürlich auch das des Mannes. Über die großen weltveränderten Entwicklungen weiß man natürlich viel, aber es sind ja auch oftmals die kleinen Dinge, die eine Zeit zum Leben erwecken.
Auf knapp 60 Seiten (also eher ein Heft als ein Buch) stellt uns Grete Otto die Zeit und die Beschäftigung der Frau in der Zeit vor. Dabei geht es auch um wesentliche Dinge, wie zum Beispiel, wieviel kostete ein Kilo Kartoffeln, was verdiente ein Arbeiter, wann gab es was zu speisen.
Mehrere Abschnitte (Rätselseite, Lesezeichen basteln) sind auch für den modernen Leser zum Mitmachen geeignet und versetzen uns in eine Zeit zurück, in der es noch kein Internet, Smartphone oder ähnliches gab. 
Wisst ihr, was Mondscheinkarten sind? Oder erinnert ihr euch ein Einschieberätsel? Wie war die Mode zu der Zeit? 
Ihr seht auf 60 Seiten kann man viel entdecken, egal wofür man sich im Wesentlichen interessiert, man findet immer was zum Staunen. Kennt ihr die „Gartenlaube“? Dann wisst ihr, was euch optisch erwartet. Es sei noch angemerkt. das Buch dient als Einstieg in die Zeit und wenn ihr heute noch nichts vorhabt, schaut doch einmal auf der Internetseite von Grete Otto vorbei und lasst euch in eine andere Zeit entführen: https://www.buergerleben.com/ Sidenote: Im Heft werden auch Museen vorgestellt, die aus der Kaiserzeit bis zum heutigen Tag existent sind und welchen man einen Besuch abstatten sollte. Vorgeschlagen wird unter anderem das https://www.staedelmuseum.de/de. Ratet mal, wo ich das schöne Buch erstanden habe? 😏

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„Die Wendeltreppe“, Buchhandlung Frankfurt/Main

Es gibt Orte, die scheinen aus der Zeit gefallen zu sein. Über einen dieser Orte wollen wir heute berichten. Wir beide haben den Ort mit eigenen Augen gesehen, mit der Inhaberin über Bücher philosophiert, diverse Bücher in der Hand gehabt…
Aber ich greife vor…
Was liege näher, wenn sich zwei Menschen treffen, die Kriminalliteratur mögen, als in eine Kriminalbuchhandlung zu gehen? Gibt es nicht? Doch gibt es und von dieser sei hier berichtet:
Man begebe sich nach Frankfurt am Main, genauer gesagt nach Frankfurt-Sachsenhausen. In einer kleinen Seitenstraße findet sich das Kleinod. Ein Buchladen, wie man ihn aus früheren Zeiten kennt. Klein, verwinkelt, überall stehen Buchstapel auf dem Boden und hauchen dem Laden Leben ein.
Da steht ein Agatha Christie Krimi neben einem Arthur Conan Doyle im Regal, ein Regal weiter steht ein Georges Simenon und vermisst den Dashiell Hammett, der gerade den Besitzer wechselt.
Aber auch moderne Krimis kommen nicht zu kurz, einige Bücher des Dryas Verlages verweilen über Eck zu den Büchern des Atlantik Verlages. Das Lokalkolorit kommt selbstverständlich auch nicht zu kurz. Bücher von Helmut Barz, Astrid Keim, Franziska Franz und Jakob Stein warten darauf entdeckt zu werden und ein neues Zuhause zu bekommen.
Couchen und Sessel laden zum Blättern in den Büchern ein und die Dekoration ist thematisch auf die Bücher abgestimmt.
Das Hauptdekorationselement bildet natürlich die Wendeltreppe am Eingang und die Inhaberin erzählt dem interessierten Besucher gerne die Geschichte hinter der Treppe.
Wie? Ihr lest immer noch und seid noch nicht auf dem Weg dorthin? Jetzt aber los mit euch. Denn auch wir werden kurzfristig dorthin zurückkehren, auch wenn unser SUB dagegen ist.
http://www.die-wendeltreppe.de/

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Charles Dickens Detektivgeschichten

Die Bedeutung von Charles Dickens für die Literatur zu erläutern, hieße Eulen nach Athen zu tragen. „Oliver Twist“, „David Copperfield“, „Große Erwartungen“, „Eine Weihnachtsgeschichte“ und viele andere begeistern seit Generationen und werden bis heute auch regelmäßig mehr oder weniger werkgetreu verfilmt. Abseits größerer Geschichten hat er auch eine Reihe Kurzgeschichten geschrieben, darunter einen Zyklus um die Geheimpolizei sowie weitere Kriminalgeschichten, die in diesem schmalen Büchlein versammelt sind. Gerade für diejenigen, die Dickens mehr dem Namen nach kennen, eine gute Gelegenheit, in das Werk des Briten hineinzuschnuppern.

Bereits die erste Geschichte, „Der Bettelbrief-Schreiber“, zeigt bestens, was Dickens auszeichnet: Ein Kleinod, dem meisterhaft der Wechsel von einem leichtfüßigen, humoristischen Stück zu bissiger Gesellschaftskritik gelingt. Gerade diese Dualität aus feinem Humor und dem Anprangern sozialer Missstände zieht sich als roter Faden durch sein Gesamtwerk und somit auch durch den nachfolgenden Zyklus über die Geheimpolizei. Die Plots der Geschichten selbst muten heutzutage wenig spektakulär und etwas altbacken an, gewinnen aber gerade durch die Mischung aus Leichtfüßigkeit und Gesellschaftskritik. Ein besonderer Reiz für die heutige Leserschaft ergibt sich auch daraus, dass Dickens als scharfer Beobachter seiner Zeit, einen weit weniger romantisch gefärbten Blick auf das viktorianische Zeitalter zulässt, als es bei seinen Zeitgenossen und besonders den Verfassern dieser Tage enstehenden „viktorianischen Krimis“ der Fall ist. Dickens blumiger, ausschweifender Erzählstil lässt zudem bedauern, dass modernen Autoren Schreibregeln wie „show don’t tell“,das konsequente Eliminieren von Adverbien, schlanker Satzbau usw. nahe gelegt wird, denn gekonnt eingesetzt, vermögen Geschichten auch in dieser Form zu begeistern.

Die abgebildete Sammlung ist als Taschenbuch nur noch antiquarisch erhältlich, doch die Geschichten sind in mehren Sammelbänden enthalten und der E-Book-Verlag „Null Papier“ bietet „Dickens Detektivgeschichten“ für schmale 0,99 € an.

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