Anthony Horowitz „Ein perfider Plan“

Als Leser ist man geneigt zu sagen, dass man schon alles einmal gelesen hat. Doch ist dem wirklich so? Der Auftakt zu einer neuen Krimiserie lässt den Liebhaber von klassischen Detektivgeschichten seine Aussage doch noch einmal überdenken… Denn…
Eine Frau kommt zu einem Bestattungsinstitut und will ihre eigene Beerdigung planen. Sie hat alles durchdacht, sie hat auf alles eine Antwort und wenige Stunden später… ist sie tot.
Soweit so klar, doch es tun sich Ungereimtheiten auf, mit denen sich die Polizei nicht befassen kann und der freie Ermittler Hawthorne wird hinzugezogen. Doch da dieser seine Ermittlungen nicht alleine durchführen will, holt er den Autor Anthony Horowitz ins Boot…
Ist es euch aufgefallen?
Anthony Horowitz spielt im Buch selbst eine Rolle, wenn das nicht mal ausgefallen ist. Es sei zudem gesagt, dass ist nicht das einzige, was in diesem Buch „neu“ in der Kriminalliteratur ist.
Flüssig zu lesen, mit Liebe zum Detail und einigen doch wirklich herzhaften Lacher, ist „Ein perfider Plan“ eine moderne Form des klassischen Detektivromans.
Übernommen hat Anthony Horowitz das Element von zwei Ermittlern, einer polizeilich versiert, der andere eine „Hilfskraft“, den Aufbau des Falles und die zwischenmenschlichen Aspekte. Wer bereits Sherlock Holmes oder Hercule Poirot gelesen hat, wird viele Andeutungen an diese klassischen Detektivgeschichten finden.
Neu sind die Zeit, die Erzählperspektive und einige andere Kleinigkeiten, alles sollte in einer Rezension schließlich nicht verraten werden.
Ein Buch, für klassische Detektivromanleser, für experimentelle Leser und für Leser, die sich für den Entstehungsproxess hinter einem Buch interessieren.

4,5 von 5 Telefonzellen

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Anthony Horowitz „Ein perfider Plan: Hawthorne ermittelt“

Von Anthony Horowitz braucht man mich nicht überzeugen. Ohne speziell nach ihm Ausschau gehalten zu haben, kreuzten Werke des Briten immer wieder meinen Weg: In jüngeren Tagen begeisterten mich die ersten Bände seiner Jugendbuchreihe um Alex Rider. Später fiel er mir als Drehbuchautor für besonders gelungene Episoden von „Agatha Christies Poirot“ und „Midsumer Murders (Barnaby)“ auf. Noch später hat sich „Das weiße Band“ bei mir den Status des bislang besten Sherlock-Holmes-Pastiche erworben. Kurz: Niedrig waren die Erwartungen nicht – „Ein perfider Plan“ hat sie dennoch weit übertroffen.

Anthony Horowitz ist unzufrieden. Zwar verkaufen sich seine Jugendbücher und Auftragsarbeiten wie geschnitten Brot und seine TV-Serie ist verlängert worden, doch der Künstler sehnt sich nach einer neuen Herausforderung. In diesem Zustand kreativer Unzufriedenheit schlägt ihm der Privatermittler Daniel Hawthorne vor, Bücher über ihn zu schreiben. Zunächst eher widerwillig – zumal Hawthorne sich als schwierig in der Kooperation erweist – dann jedoch mit wachsendem Interesse begleitet Anthony den Detektiv bei seinem aktuellen Fall: Die betagte Diane Cowper regelte ihre Beerdigung in einem Bestattungsunternehmen. Einige Stunden später wurde sie tot aufgefunden. Neun Jahre zuvor hat sie bei einem Autounfall das Leben einer Familie zerstört: Einer der beiden Jungen starb, der andere wurde zum Krüppel. Zufall?

Rollen wir das ganze Paket einmal auf: Anthony Horowitz ist ein langjähriger Profi, der sein Handwerk beherrscht. Wie der Autor, der sich als Ich-Erzähler in die Geschichte schrieb, an einer Stelle des Romans festhält, gibt es bei Krimis jeden Settings nur eine begrenzte Anzahl an Gründen, warum jemand ermordet wird und eine ebenso begrenzte Anzahl an Möglichkeiten, einen Mord zu vollziehen. Ohne dass es der Autor explizit erwähnt, dürfte jeder Freund von Kriminalgeschichten jede Möglichkeit bereits vorgesetzt bekommen haben. Ich weiß das, Horowitz weiß es erst recht.
Der Plot mutet so klassisch an, dass er Assoziationen zu den Fällen von Holmes, Poirot, Barnaby usw. geradezu aufdrängt: Ein rätselhafter Tod, Geheimnisse, eine Sünde in der Vergangenheit, mehrere Verdächtige, wasserdichte Alibis, Ablenkungen etc.. Horowitz versteht es dennoch aus den bekannten Zutaten ein schmackhaftes Mahl zu zaubern, das die Leser bis zum Schluss rätseln lässt. Die Aufklärung ist lückenlos und nach bester Doyle-Christie-Manier liefert Horowitz alle Informationen, welche – wenn auch schwierig – zur richtigen Lösung hätten führen können.
Alleine für dieses solide Handwerk hätte der Roman bereits eine Empfehlung.

Das Salz in der Suppe ist dann allerdings das Zusammenspiel zwischen Detektiv und Assistent. Der wenig sympathische, aber geniale Hawthorne und die sympathische Eigendarstellung von Horowitz vergnügen über das ganze Buch. Der Autor hat dabei glücklicherweise darauf verzichtet, sich selbst zu überzeichnen und wirkt als erzählerisches Ich bodenständig und angenehm normal. Als Gegenpol zu seinem Detektiv ergeben sich immer wieder amüsante Situationen, die – zumindest bei mir – dann auch mit einem herzlichen Lacher am Schluss enden.

Fazit: Es darf gerne mal ein Superlativ sein: „Ein perfider Plan“ ist einer der besten Kriminalromane neuerer Zeit. Absolute Leseempfehlung.


sherlocksleseblog➡️ Klassischer Plot, scheinbar wasserdichte Alibis, mehrere Verdächtige. Der Krimi-Fall von „Ein perfider Plan“ könnte nicht klassischer sein. Horowitz versteht es dennoch aus den bekannten Zutaten ein schmackhaftes Mahl zu zaubern, das bis zum Schluss rätseln lässt. Die Aufklärung ist lückenlos und nach bester Doyle-Christie-Manier liefert Horowitz alle Informationen, welche die Leser zur richtigen Lösung hätten führen können.
Alleine für dieses solide Handwerk hätte der Roman bereits eine Empfehlung.
Das Salz in der Suppe ist dann allerdings der wenig sympathische, aber geniale Hawthorne und die sympathische Eigendarstellung von Horowitz. Der Autor hat glücklicherweise darauf verzichtet, sich selbst zu überzeichnen und wirkt als erzählerisches Ich angenehm normal. Als Gegenpol zu seinem Detektiv ergeben sich immer wieder amüsante Situationen, die – zumindest bei mir – mit einem herzlichen Lacher zum Schluss enden.

Fazit: Mal ein Superlativ: Einer der besten Kriminalromane neuerer Zeit. Absolute Leseempfehlung.

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Matthew Costello „Mydworth – Bei Ankunft Mord“

Nach Jahren im Ausland hatte sich Lord Mortimer die Heimkehr nach England so schön vorgestellt. Frisch angetraut mit der Amerikanerin Kat Reilly wollte er gemütlich über die Straßen Südengland zu seinem Heimatsitz fahren, ihr die wundervolle Landschaft zeigen und bei einem gemütlichen Abendessen den ersten Tag in England ruhig ausklingen lassen. Die Jahre beim Geheimdienst sind vorbei und die beiden haben ein wenig Ruhe und Zweisamkeit verdient. Doch schon als das Schiff aus Frankreich anlegt, steht ein Wagen bereit, welcher Lord Mortimer abholen und zum Außenministerium bringen soll. Eine dringende Staatsangelegenheit.
Und Kat? Sie macht sich allein auf den Weg nach Mydworth, zu diesem Zeitpunkt noch unwissend, dass die Aufregung in ihrem Leben noch längst nicht vorbei ist, denn als sie aus der Not heraus zu Lord Mortimers Tante geht, wird auf sie geschossen…
„Bei Ankunft Mord“ ist der Auftakt zu einer Serie von Kurzkrimis. Angesiedelt in den 1920er Jahren in England sind die Kurzkrimis mit knapp 200 Seiten ein perfektes Lesevergnügen für zwischendurch. Die Fälle, die alle in und um Mydworth spielen, sind geprägt durch ein geringes Gewaltpotential. Sicherlich geht es um Mord oder auch Diebstahl, aber im Vordergrund steht das Landleben und die gesellschaftlichen Beziehungen in Mydworth. Die obsukuren Todesfälle erinnern zeitweilig ein bißchen an die TV-Serie „Inspektor Barnaby“, aber mir gefällt diese Serie gut, da trotz der Morde auch Szenen zum Schmunzeln eingebaut sind. Wer auf der Suche nach einer charmanten Krimiserie ist, sollte sich diese Reihe einmal genauer ansehen.

4 von 5 Landsitzen

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„Im Kopf von Sherlock Holmes“

Jeder, der mehr als drei Geschichten mit dem Meisterdetektiv gelesen hat, fragt sich unweigerlich, was wohl in dessen Kopf vorgeht, bevor er seinen Adlatus Watson – und alle anderen – verblüfft. Vor einigen Jahren gab es in der BBC-Serie „Sherlock“ in Form von Einblendungen einen Hinweis, wie Holmes‘ Gehirn funktionieren könnte. Cyril Lieron und Benoit Dahan gehen in ihrer Graphic Novel noch einen Schritt weiter: Das gewohnte, erzählerische Ich von Dr. Watson wird verlassen und – man kann es auch ohne in Holmes‘ Liga zu spielen wohl anhand des Titels erahnen – ein detaillierter Einblick in die Arbeitsweise des Detektivs gestattet.

Klappentext

Alles ist gut in London, und das bedeutet, dass für den größten Detektiv aller Zeiten nichts gut ist – Sherlock Holmes langweilt sich zu Tode. Da erlöst ihn ein Klopfen an der Tür von seiner Qual: Dr. Fowler, ein Kollege Watsons, steht dort in Begleitung eines Officers, der ihn in der Nacht zuvor aufgegriffen hat, als Fowler, gekleidet in ein Nachthemd und mit einem Damenslipper an den Füßen, vollkommen verwirrt im East End umherirrte. Fowler kann sich an nichts erinnern, und Scotland Yard ist ratlos. Einzig ein seltsames Ticket für eine Theateraufführung am Vorabend, das sich bei Fowler anfindet, bietet einen Ansatzpunkt für die Ermittlungen…

Rezension

Es gibt diese seltenen Werke, an denen einfach alles stimmt. „Das Rätsel der skandalösen Eintrittskarte“ ist ein kniffliger, mitreißender Rätsel-Krimi, der zunächst recht unspektakulär beginnt, jedoch in seinem Verlauf größere Dimensionen annimmt. Trotz des Umstandes, Holmes‘ Schlussfolgerungen bildlich vor sich zu haben, ist der Meisterdetektiv dann aber doch schon einen Schritt voraus. Zum Schluss gibt es auch noch eine Prise Gesellschaftskritik, die verstehen lassen, warum Holmes nach getaner Arbeit wieder eine Lösung anmischt.

„Im Kopf von Sherlock Holmes“ hätte mit dieser spannenden Geschichte sicher auch einen guten Roman oder einen erstklassigen Film ergeben, profitiert mit der gewählten Erzählperspektive aber ungemein von dem Medium Comic. Benoit Dahans detailreiche, teils seitenfüllende Zeichnungen – mit angenehmen Sepia als dominanten Grundton der Kolorierung – sind nicht nur eine Freude für die Augen aller Liebhaber der frankobelgischen Comickunst. Sie erlauben den Lesern auch, die Handlung nach eigenem Gusto zu „pausieren“, in der „Dachkammer“ des Meisterdetektivs zu spazieren und sich bei Bedarf gerne jeden einzelnen Schritt der Deduktion nochmals erklären zu lassen.

Zu guter Letzt sei noch lobend erwähnt, dass Umschlag, Papier, Druck, Bindung und Layout dieses Comicalbums auf allerhöchstem Niveau ist. Der Splitter Verlag hat hier einen Schatz geschaffen, bei dem der stolze Preis von 28,00 € absolut gerechtfertigt ist.

Fazit: „Im Kopf von Sherlock Holmes“ ragt aus Flut der Sherlock-Holmes-Pastiches markant heraus und kann allen Liebhabern der neunten Kunst und des klassischen Holmes nur wärmstens empfohlen werden.

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Weihnachtskrimis

Alle Jahre wieder… Es wird früher dunkel, die Wohnungen werden geschmückt und bei dem einen oder anderen macht sich eine Scroogesche Stimmung breit. Wenn nicht schon mindestens dreimal „Last Christmas“ gelaufen ist, ist die Vorweihnachtszeit nicht perfekt. Für mich gilt das eher nicht. Was für mich allerdings neben „Eine Weihnachtsgeschichte“ inzwischen zur Vorweihnachtszeit gehört, ist ein guter Weihnachtskrimi.
In den letzten Jahren habe ich mir daher mehrere Weihnachtskrimis gekauft und welche mich nie enttäuscht haben, waren die Krimis aus dem Klett Cotta Verlag. Diese greifen für ihre Weihnachtskrimis Schriftsteller aus der „guten alten Zeit“ heraus und mit einer ansprechenden Cover werden die verschiedenen Autoren zu einer optischen Einheit gebracht. Auch inhaltlich ähneln sich die Geschichten ein wenig. Gerne spielen die Bücher an Weihnachten (aus unlauteren Quellen heißt es, dass es selten so viele Streitereien gibt, wie an den Weihnachtstagen), es handelt sich um ein „Locked room mystery“ und die Schriftsteller schaffen es, mit ihren Heringen die Leser immer wieder auf falsche Fährten zu locken.
Nachdem ich „Geheimnis in weiß“ und „Geheimnis in rot“ schon in den letzten beiden Jahren gelesen habe, widme ich dieses Jahr „Das Geheimnis des Schneemanns“ meine Aufmerksamkeit. Ich bin schon sehr gespannt, ob mir auch dieses Buch wieder so gut gefällt wie die beiden anderen zuvor. Vielleicht gibt es demnächst auch noch ein Rezension dazu, haltet die Augen also offen.

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